Gedanken zur aktiven Sterbehilfe

SpritzeEine gesetzliche Regelung zur aktiven Sterbehilfe im Rahmen eines selbstbestimmten Sterbens ist längst überfällig. Die Linksfraktion im saarländischen Landtag hat dieses heikle und emotional aufgeladene Thema erneut aufgegriffen und entfacht damit eine neuerliche Debatte um die aktive Sterbehilfe.

Das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben schließt auch das Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben mit ein. Beides ist nicht voneinander zu trennen, denn Leben und Sterben sind untrennbar miteinander verbunden. Weigert sich die Politik, das Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben anzuerkennen, beschneidet sie das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Nicht selten erleben Sterbende ihr langes Leiden und den langen Kampf mit dem Tod als entwürdigend. An dieser Stelle die Menschenwürde als Argumentation gegen die aktive Sterbehilfe zu bemühen ist geradezu zynisch. Das selbstbestimmte Sterben im Rahmen der aktiven Sterbehilfe darf nicht als würdelos abqualifiziert werden. Die Ablehnung der aktiven Sterbehilfe, insbesondere durch die christlichen Kirchen und somit auch ihr nahestehender politischer Organisationen ist aus deren weltanschaulicher Sicht durchaus nachvollziehbar. Jedoch haben Menschen, die erklärtermaßen keiner Religion zugehören, ebenfalls das Recht einer eigenen Weltanschauung. Das Verbot der aktiven Sterbehilfe beschneidet somit das Recht derer, die sich eben dieser christlichen oder einer anderen Weltanschauung verweigern.

Niemand wird gezwungen, aktive Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen oder als Sterbehelfer zur Verfügung zu stehen. Ein Verbot stellt gleichfalls einen Zwang für die Menschen dar, die angesichts ihres Leides zu einem nach ihren Maßstäben unerträglichen Leidensweg gezwungen werden. Die oft vorgebrachten Bedenken in Bezug auf die Gefahr einer Kommerzialisierung der aktiven Sterbehilfe und möglicher Manipulationen, um sich selbst vom Leid der Betroffenen zu befreien, dürfen jedoch nicht außer Acht gelassen werden. Analog der gesetzlich vorgeschrieben Beratung zum Schwangerschaftsabbruch sollte zunächst eine verpflichtende Sterbehilfeberatung durchgeführt werden. Diese Beratung muss besonderen Anforderungen gerecht werden und darf nur von staatlichen oder kirchlichen Einrichtungen durchgeführt werden. An dieser Stelle wären dann auch die verschiedenen weltanschaulichen Organisationen wie die katholische oder evangelische Kirche gefordert. Hier könnten sie ihrer Weltanschauung folgend seelsorgerisch tätig werden und entsprechende Hilfen oder Alternativen anbieten. Die Hospize mit ihren haupt- und ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern leisten schon heute eine nicht genug zu würdigende Arbeit auf dem Gebiet der Sterbebegleitung. Die große Anzahl der Mitarbeiter lässt nur den Schluss zu, dass dieses meist von kirchlichen Institutionen getragene Angebot der Seelsorge angenommen wird. Sterbende so wie deren Angehörige werden hier die letzten Tage, Wochen oder Monate vor dem Sterben und über den Tod des Angehörigen hinaus begleitet. Um dieses wichtige Angebot dauerhaft zu sichern, muss die Hospizarbeit zukünftig auf sicheren finanziellen Füßen stehen. Derzeit wird die Arbeit der Hospize zu einem großen Teil aus Spenden einerseits und der Substanz der Träger andererseits finanziert. Hospizarbeit ist jedoch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und sollte entweder über Steuern oder von den Krankenkassen finanziert werden.

H.L.Laturell


Quelle Titelbild: Wolfgang Pfensig (wpfen2000) – zu finden unter: http://www.pixelio.de/media/653500
Quelle Artikelbild: rike / pixelio – zu finden unter: http://www.pixelio.de/media/324724

Hinweis: Dieser Beitrag wurde von Heinz-Leo Laturell geschrieben und stellt nicht notwendigerweise die Meinung des ganzen Kreisverbandes dar.
Alle Mitglieder des Kreisverbandes können Beiträge formlos beim Kreisvorstand einreichen.



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